Ein verlassenes Dorf mitten im Nationalpark Eifel und direkt daneben eine monumentale NS-Ordensburg: Die Lost Places Wollseifen und Vogelsang gehören zu den eindrucksvollsten Ausflugszielen in der Eifel. Wir sind mit der Familie von Vogelsang über die Dreiborner Hochfläche nach Wollseifen gewandert – hier findet ihr unsere Fotos, die Geschichte beider Orte und alle praktischen Infos für euren Besuch.
Wollseifen: Das Geisterdorf im Nationalpark Eifel
Wir haben einen Tagesausflug in die Eifel unternommen. Unser Ziel: Der Nationalpark Eifel mit dem verlassenen Dorf Wollseifen und der ehemaligen NS-Ordensburg Vogelsang.
Wollseifen ist ein kleines verlassenes Dorf im Nationalpark Eifel. Man gelangt nach Wollseifen zu Fuß. Parkmöglichkeiten gibt es hierzu am Wanderparkplatz Walberhof am Eingang der früheren belgischen Kaserne Vogelsang.
Es führt ein ca. 2 km langer Wanderweg über Felder zum Orteingang, wo die restaurierte Kapelle steht. Die Kapelle ist eins von noch 4 existierenden Gebäuden, die restlichen Gebäude sind bis auf die Grundmauern und mehr zerstört worden. Neben der Kapelle existieren noch die alte Schule, die Kirche sowie ein Traffohäuschen. Weiterhin existieren eine Reihe neuer Gebäude, welche extra für den Häusernahkampf gebaut wurden.
Die Geschichte von Wollseifen
Wollseifen war ein Bauerndorf mit rund 120 Familien und etwa 500 Einwohnern. Am 1. September 1946 mussten alle Bewohner ihr Dorf verlassen: Die britische Militärregierung erklärte das Gebiet zum Sperrgebiet und nutzte es fortan als Übungsplatz. Die Kirche St. Rochus brannte 1947 aus, 1954 wurde der Ort bei Artillerieschießen von der belgischen Kaserne Elsenborn aus schwer beschädigt. Erst als die belgischen Streitkräfte den Truppenübungsplatz zum 1. Januar 2006 aufgaben, wurde Wollseifen wieder zugänglich.
Heute kümmert sich ein Förderverein um die Reste des Dorfes: Die Kirche wurde saniert, in der alten Schule erinnert eine kleine Ausstellung an das Dorfleben, und die Straßenschilder tragen wieder die alten Flur- und Wegnamen. Ein ertastbares Modell neben der Kirche zeigt, wie Wollseifen vor 1946 ausgesehen hat.
Wollseifen liegt oberhalb der Urfttalsperre am Rande der Nordwesteifel in der Nähe der einstigen NS-Ordensburg Vogelsang, die zwischen 1934 und 1936 erbaut wurde und in der der Führungsnachwuchs der NSDAP ausgebildet wurde. Wollseifen wurde 1946 auf Befehl der britischen Militärregierung geräumt und wurde seitdem als Übungsplatz für den Häusernahkampf genutzt. 2006 wurde das Gelände wieder der zivilen Nutzung übergeben.
Wir haben uns das gesamte Dorf angesehen und sind anschließend durch die ehemaligen für den Nahkampf errichteten Häuser hinaus aufs Feld gegangen, um auf einem zerstörten Bunker, eine ausgedehnte Mittagspause in der Sonne zu verbringen.
Hier unser Video zum lost place Wollseifen:
Von Wollseifen zur ehemaligen NS-Ordensburg Vogelsang

Vom Geisterdorf Wollseifen sind wir dann ca. 3 km über Felder und durch einen Wald zur ehemaligen NS-Ordensburg Vogelsang gewandert. Geparkt hatten wir ja am Wanderparkplatz Walberhof am Eingang der früheren belgischen Kaserne Vogelsang. Wer Vogelsang besuchen möchte, kann aber wohl auch direkt bis dorthin durch die ehemalige Kaserne fahren.
Bei unserem Weg von unten durch die Burganlagen erlebt man die wirkliche Größe der terrassenförmig angelegten Anlage. Vogelsang liegt oberhalb der Urfttalsperre am Rande der Nordwesteifel. In der einstigen NS-Ordensburg Vogelsang wurde ab den späten 1930er Jahren der Führungsnachwuchs der NSDAP ausgebildet.
Nach dem Krieg wurde die Kaserne durch die britische Militärregierung genutzt und später durch die Nato. Einiges deutet immer noch auf die ehemaligen belgischen “Betreiber” hin.
Vogelsang IP heute: Ausstellung, Führung und Turmaufstieg
Die Ordensburg ist heute als Vogelsang IP („Internationaler Platz“) ein Ort der historischen Aufarbeitung mit Besucherzentrum, Gastronomie und Ausstellungen. Die Dauerausstellung „Bestimmung: Herrenmensch“ beleuchtet die Geschichte der NS-Ordensburgen und ist barrierefrei zugänglich.
- Dauerausstellung: täglich 10–17 Uhr, Eintritt 12 € (ermäßigt 8 €, Kinder unter 13 frei)
- Offene Führung „Vogelsang IP – Die Führung“ (90 Min., ca. 2 km): März–Oktober täglich 14 Uhr, an Wochenenden und Feiertagen zusätzlich 11 Uhr; November–Februar Do–Mo 14 Uhr; 12 € vor Ort, 10 € online
- Turmaufstieg (48 m, 177 Stufen, ca. 45 Min.): 8 €, nur mit Führung
- Panorama-Gastronomie mit Blick über den Nationalpark, ganzjährig geöffnet
- Hunde sind auf dem Gelände und im Besucherzentrum an der Leine erlaubt, nicht in der Ausstellung (Tageskarte 2 €)
Vor allem die offene Führung lohnt sich: Ohne sie bleiben viele Details der Anlage verborgen – etwa die Terrassen, die Schwimmhalle oder der Blick von der Adlerwarte über die Dreiborner Hochfläche.
Hier unser Video zur Ordensburg Vogelsang:
Wer Wollseifen und Vogelsang in einem einzigen Video sehen möchte – hier der komplette Ausflug:
Praktische Infos für euren Besuch
- Anreise mit dem Auto: über die B266, Parkplatz Walberhof am Kreisverkehr (kostenlos, von hier ca. 2 km Fußweg nach Wollseifen) oder der kostenpflichtige Besucherparkplatz direkt an Vogelsang IP
- Öffentliche Verkehrsmittel: Bahn bis Kall, weiter mit dem Nationalpark-Shuttle SB82 in Richtung Vogelsang; aus Aachen mit dem Bus 63, Haltestelle „Vogelsang IP Walberhof“ (ca. 25 Gehminuten)
- Im Nationalpark Eifel gilt das Wegegebot – bitte auf den markierten Wegen bleiben, auch um Wildtiere zu schützen
- Ausrüstung: festes Schuhwerk, Wasser und Windjacke; auf der Dreiborner Hochfläche gibt es kaum Schatten
- Kinderwagen: für die Wege nach Wollseifen nur bedingt geeignet, für die geführte Tour nicht empfohlen
- Beste Zeit: Frühjahr bis Herbst, im Mai blüht der Ginster auf der Hochfläche
- Naturerlebnis: Der Nationalpark Eifel ist ein wichtiger Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten – auf der Wanderung lassen sich immer wieder seltene Vögel und Insekten beobachten.
- Fotospot: Die Ruinen von Wollseifen und die monumentale Ordensburg bieten beeindruckende Motive, besonders bei Nebel oder tief stehender Sonne.
Wanderrouten rund um Wollseifen und Vogelsang
Alle Wege lassen sich frei begehen – geführte Touren bieten zusätzlich die Geschichte dazu. Diese Routen sind besonders lohnend:
- Unser Weg: Parkplatz Walberhof → Wollseifen (2 km) → weiter nach Vogelsang (3 km), zusammen rund 5 km einfach
- „Wüstung mit Weitblick“: 12,8 km Rundweg über die Dreiborner Hochfläche hinunter zur Urfttalsperre
- Geführte kulturhistorische Wollseifenwanderung: ca. 6,5 km, rund 3 Stunden, 15 € pro Person (Anmeldung über Vogelsang IP)
- Eifelsteig, Etappe 4: von Einruhr über Wollseifen nach Gemünd, 21,9 km – anspruchsvoll, aber landschaftlich großartig
Familien mit kleineren Kindern finden im Umland weitere Ziele: den Eifelpark Gondorf mit Wildpark und Sommerrodelbahn oder den Adler- und Wolfspark Kasselburg mit Flugvorführungen.
Häufige Fragen zu Wollseifen und Vogelsang
Kostet der Besuch von Wollseifen Eintritt?
Nein, die Wege und das Gelände des Geisterdorfs sind frei zugänglich. Nur für Ausstellung, Führung und Turmaufstieg auf Vogelsang IP werden Eintrittskarten verkauft.
Wie lange braucht man für Wollseifen und Vogelsang?
Für das Geisterdorf allein solltet ihr 1,5 bis 2 Stunden einplanen, für den Rundgang über das Vogelsang-Gelände noch einmal 1,5 Stunden. Mit Führung und einer Pause in der Panorama-Gastronomie wird ein ganzer Tag daraus.
Darf man das Vogelsang-Gelände mit Hund besuchen?
Ja, Hunde sind auf dem Außengelände und im Besucherzentrum an der Leine erlaubt – nicht in der Dauerausstellung. Für den Besuch fällt eine Tageskarte von 2 € an.
Ist die Wanderung kinderwagentauglich?
Nach Wollseifen führen breite Wirtschaftswege, die Strecke hat aber Steigungen. Für die geführte Wollseifenwanderung und den Eifelsteig ist eine Kraxe die bessere Wahl.
Unser Fazit
Wollseifen und Vogelsang sind für uns der eindrucksvollste Tagesausflug im Nationalpark Eifel: ein Dorf, das nie wieder aufgebaut wurde, und eine Ordensburg, die heute als Lernort dient. Nehmt euch Zeit für die Ausstellung – und plant Licht ein, denn die Ruinen wirken am frühen Morgen und am späten Nachmittag am stärksten.
Wenn ihr an heißen Tagen unterwegs seid, findet ihr in unseren Ausflugszielen bei Hitze in NRW Abkühlung – und wer die Eifel einmal aus der Luft sehen möchte, wird im Bericht über unseren Rundflug über das Ahrtal und die Eifel fündig.
Weitere Informationen findet ihr auf der offiziellen Seite von Vogelsang IP und im Tourenportal des Nationalparks Eifel. Stand der Angaben: September 2026. Mehr Ausflugstipps aus der Eifel und dem Umland findet ihr in unserer Ausflugstipps-Kategorie.
Passend zum Thema: Lost Places – Historischer Spiel- und Freizeitpark Ittertal in Solingen – dort gibt es weitere Details und Bilder.


























































